Synagieren - Initiative für gemeinsames Handeln

Das Wirkcamp vom 3.- 6. Mai 2012 in Darmstadt

Asta TU Darmstadt Asta TU Darmstadt HG Nachhaltigkeit

Das Wirkcamp Darmstadt wurde in Kooperation mit der Hochschulgruppe Nachhaltigkeit und mit Unterstützung des AStA der TU Darmstadt organisiert und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Mehr zur Idee des Wirkcamps

Acht Arbeitsgruppen haben dabei einmal mehr die vielfältigen Möglichkeiten gesellschaftlichen Engagements aufgezeigt: von theoretisch bis handwerklich, von didaktisch bis zur Rückeroberung des öffentlichen Raumes und über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit jeder Menge Spaß, Kreativität und Tatendrang viel bewegt.

Zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppen


Doch das Wirkcamp war mehr als die AG-Arbeit und ohne den teils spontanen aber gewiss immer überzeugten Einsatz Vieler nicht machbar gewesen. An erster Stelle sei dabei sicherlich die Unterbringung externer Teilnehmer bei den Darmstädtern genannt. Obwohl 60 Auswärtige auf nur 45 Personen verteilt werden mussten, gelang das ohne Probleme und das war der Startschuss für unser gemeinsames Projekt "Synagieren Wirkcamp Darmstadt 2012". Ohne dieses Couch-Sharing hätten wir das Wirkcamp weder personell noch finanziell stemmen können.

Ein weiterer wichtiger Baustein des gemeinsamen Wirkcamps war mit Sicherheit die VoKü-Ag, in der 6 vielarmige Dauerschnippler, Brötchenschmierer und Gute-Laune-Verbreiter dafür sorgten, dass wir uns alle an einer veganen Vollverpflegung das ganze Wochenende über sattessen konnten. Und ganz nebenbei bei den gemeinsamen Mittags- und Abendessen im Innenhof des Hauptgebäudes der TU auch über die AG-Grenzen hinweg neue Tischpartner kennenlernten.

Dafür, dass wir auch das "Große Ganze" nicht aus dem Blick verlieren, sorgten die Veranstaltungen im Abendprogramm des Wirkcamps. Pädagogische, technische und individuelle Komponenten aus dem großem Komplex der sozial-ökologischen Nachhaltigkeit wurden thematisiert und im Anschluss sowohl im direkten Austausch mit den Referenten als auch unter uns Teilnehmern kontrovers diskutiert. 


Den Anfang machte am Donnerstag Abend Prof. Peter Euler, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik Darmstadt, der unter dem Titel "Kampf um Bildungs-Zeit - Ein pädagogisch-politischer Konflikt im Kontext nachhaltiger Entwicklung" referierte. Humboldtsches Bildungsideal vs. Bologna-Prozess, selbstbestimmte Entschleunigung vs. Karriere bis zum Burn-Out, Ellenbogenmentalität oder Erziehung zur Kooperation - all das wurde thematisiert und Prof. Eulers Ideen und Impulse stießen dabei auf einen fruchtbaren Boden, befindet sich doch der Großteil von uns noch in Ausbildung oder hat in der einen oder anderen Form mit Bildungsinstitutionen zu tun. Und wir alle erfahren viel zu oft, wie viel gerade in diesem Bereich im Argen liegt.

Impulse in eine andere Richtung zu setzen war dann auch das zentrale Thema der AG Hochschulbildung für die Zukunft, die im Rahmen eines "Studium Oecologicum" Nachhaltigkeit im universitären Curriculum verankern will. 

Mit der Energiewende beschäftigte sich der Vortrag von Dr. Thomas Ackermann, Netzplanungsingeniuer und CEO der Energynautics GmbH am Samstag Abend unter dem Titel "Herausforderungen auf dem Weg zu 100% erneuerbaren Energien". In einer Zeit, in der im stetig rauschenden Blätterwald in regelmäßigen Abständen der Untergang des Industriestandortes Deutschland beschworen wird, war dieser höchst informative und unterhaltsame Vortrag nicht nur für die vielen Ingenieure unter uns eines echte Bereicherung.

Zu einem solch zentralen Thema mal aus erster Hand informiert zu werden befeuert die Diskussionen nicht nur unter den Teilnehmern der AG Energieplanspiel, die sich noch bis weit in den Abend hinein fortsetzte. 


Mindestens ebenso bereichernd und doch ganz anders war die Theaterperformance des Grenztänzer e.V. "Das ElektraSyndrom – Ein theatraler Schnellschuss. Weil’s not tut.", die am Freitag abend ebenso wie alle anderen gemeinsamen Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des 603qm in Darmstadt stattfand.

Eindrucksvoll wurde das Antike Thema der individuellen Verantwortung, die aus dem bewussten Erkennen eines eigentlich eklatanten Missstandes folgen muss, in das Hier und Jetzt übertragen. Protest- oder Popkultur, Fleischkonsum, folgenloses Gutmenschentum und zynistische Nach-mir-die-Sintflut Mentalität - es war ein Parforceritt durch unsere eigene Lebens- und Gedankenwelt. Natürlich tragen wir für viele gesellschaftliche Probleme nur bedingt Verantwortung, aber dennoch profitieren wir doch viel zu oft selbst davon und wie oft haben wir uns mit unserem Lebensentwurf in einer selbstgerechten Nische eingerichtet, ja einrichten müssen, da echte Alternativen manchmal schwer zu finden sind. 

Wir dankten den Grenztänzern ihr Stück, dass uns wie auf den Leib geschnitten schien, mit stehenden Ovationen und auch die anschließende Diskussion mit Darstellerinnen, Regisseurin und Dramaturgin wurde intensiv und persönlich geführt. In dieser Form die Intentionen und Wirkung eines Stückes zu diskutieren war sicherlich eine weitere, ganz besondere Erfahrung.